Freiwillige Evakuierung von Windehausen läuft 

Während sich in den meisten Orten im Landkreis Nordhausen die Hochwasserlage verbessert hat, hat sich die Lage in Windehausen in der Goldenen Aue dramatisch zugespitzt. Im Dorf musste gestern Abend gegen 18.30 Uhr der Strom komplett abgeschaltet werden, da Trafostationen unter Wasser standen. Der Bürgermeister der Landgemeinde Heringen/Helme Matthias Marquardt hat aufgrund der angespannten Lage bereits in der Nacht die Einwohner zur freiwilligen Evakuierung der Ortslage Windehausen aufgerufen. Gemeinsam mit dem Katastrophenschutz des Landratsamtes hat die Stadt Heringen entschieden, das Lagezentrum in der Grund- und Regelschule Heringen einzurichten, die Turnhalle wird als Quartier für evakuierte Einwohner genutzt. Dort ist neben den Feuerwehren auch der Sanitätsdienst- und Betreuungsdienst sowie das Kriseninterventionsteam im Einsatz.

Heute Vormittag hat die Landkreisverwaltung den Polizeihubschrauber zur Lageerkundung angefordert. Auch Landrat Matthias Jendricke, der die Koordinierungsgruppe des Katastrophenschutzstabes des Landkreises seit Beginn der Hochwasserlage leitet, hat sich heute gemeinsam mit Ministerpräsidenten Bodo Ramelow vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. „In Windehausen kämpfen wir mit einem stehenden Hochwasser - das Wasser steht so hoch, dass nur noch mit sehr großen Fahrzeugen ein Durchkommen möglich ist. Deshalb empfehlen wir dringend, den Ort zu verlassen“, so Jendricke. „Der Krummbach führt das Wasser in die Ortslage und durch den hohen Wasserstand in der angrenzenden Zorge kann das Wasser nicht wieder abfließen. Hinzu kommt der hohe Grundwasserstand, weshalb auch kein Deichbau mit Sandsäcken möglich war. Es lag nicht also nicht an zu wenigen Einsatzkräften oder dass wir den Katastrophenfall nicht ausgerufen haben - diese Lage ließ sich leider aufgrund der spezifischen Situation vor Ort nicht verhindern. Auch wenn wir aktuell nicht befürchten, dass Bauwerke einstürzen, können wir nur dringend zur freiwilligen Evakuierung raten.“

Es wurde ein Pendelverkehr mit MTWs und Bussen zur Evakuierung eingerichtet. Zahlreiche Bewohner haben bereits ihre Häuser verlassen, viele sind bei Familie oder Freunden untergekommen. Das THW informiert die Anwohner mit Lautsprecherdurchsagen, zusätzlich nutzt der Katastrophenschutz Warn-Apps und Warnhinweise per SMS. Derzeit wird nicht davon ausgegangen, dass der Strom in Windehausen zeitnah wieder angeschaltet werden kann, da das stehende Hochwasser voraussichtlich auch in den nächsten Tage anhalten wird. Die betroffenen Einwohner können sich an die Hotline-Nummer 036333 6720 wenden.

Insgesamt hat sich die Hochwasserlage im Landkreis Nordhausen leicht entspannt - über die Nacht sind an allen größeren Flussläufen die Pegel konstant geblieben oder etwas gefallen. Die örtlichen Feuerwehren sind aktuell überwiegend mit Kontrollfahrten und dem Auspumpen von Kellern beschäftigt. „Es ist für uns auch weiterhin möglich, externe Kräfte anzufordern, dabei setzen wir insbesondere aufs THW“, sagt Landrat Jendricke. „Ich danke den vielen ehrenamtlichen Einsätzkäften in dieser herausfordernden Situation - ihnen gelten meine Hochachtung und Anerkennung, ebenso wie den freiwilligen Helfern, die spontan den Aufrufen den betroffenen Städte gefolgt sind. Dies ist ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, nicht nur, aber gerade wie jetzt an Weihnachten.“

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